schriftzug-Bund deutscher Zupfmusiker - Verband Baden-Württemberg

Die Bouzouki

Entstehung und Geschichte der Bouzouki

bouzouki_01_bouzoukiDie Bouzouki (türk. kaputt - "defektes Instrument") ist von der Konstruktion her ein relativ neues Instrument und gehört zur Familie der Langhalslauten. Instrumente, die einen engen Bezug zur Bouzouki haben, sind das Mandocello, die Tenormandola, der Tambouras, der Tzouras und der Baglamas.

Die ersten zwei Instrumente (Mandocello,Tenormandola) genossen in der zweiten Hälfte des 19. Jhr. große Beliebtheit und waren hochentwickelte Instrumente, die das Musikleben in Smyrna (heute Izmir) stark beeinflussten. Sultan Hati Humayun hat in dieser Periode der nicht muslimischen Bevölkerung des Osmanischen Reiches (Christen und Juden) viele Vorteile des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens eingeräumt. Das kam natürlich auch dem Instrumentenbau zugute. Das einflussreichste Instrument dieser Zeit war die Mandoline. Kammermusikalische Besetzungen (Mandolinen-Quartette, Estudiandinen usw.) beherrschten mit ihrem klassischen, aber oft auch orientalischen Repertoire (weltliche Byzantinische Musik) die Musikszene Smyrnas (Izmirs), wie auch Konstantinopels (Istanbul), die hauptsächlich von griechischen, armenischen und jüdischen Musikern beeinflusst wurde. Die muslimische Bevölkerung hat durch das Verbot des Alkoholkonsums sehr selten Zugang zu den musikalischen Aufführungsorten (Meyhane) der Christen gehabt.

Das Mandocello und die Tenormandola haben dieselbe Mensur (63 cm). Diese unterscheiden sich aber in der Besaitung und natürlich auch in der Stimmung. Das Mandocello: CGDA, die Tenormandola: GDAE; alles eine Oktave tiefer als die Mandola bzw. die Mandoline. Einer der bekanntesten Instrumentenbauer seiner Zeit war in Izmir Anastasios Stathopoulos, der 1903 in die USA emigrierte. Dort führte er seine Arbeit mit dem Bau von Mandolinen weiter. Stathopoulos´ Sohn Epaminondas gründete einige Jahre später die Instrumentenfirma "Epiphone". Stathopoulos´ Mandocelli und vor allem Tenormandolen wurden in der USA von vielen Musikern bevorzugt gespielt. So kamen diese Instrumente mit den Reisenden von den USA auch nach Piräus. Dort wechselte man den Steg einfach aus und besaitete die Instrumente mit 3 doppelchörigen Saiten. So entstand der Name Bouzouki (türk. bozuk, arab. buzuq), nämlich aus der Zusammenmischung von Elementen des Tambouras (Saz) und der Tenormandola. Denn die Bouzouki war sowohl für Tambouraspieler als auch für die Tenormandolenspieler ein "defektes" (türk. bozuk) Instrument. Dieser neue Typus der Tenormandola, die Bouzouki, wurde von vielen Musikern in Piräus dem Tambouras vorgezogen, weil es lauter und klarer im Klang war. Nach 1945 bekam dieser Bouzoukitypus auch ein viertes Saitenpaar.

Die Bouzoukispieler in der Zeit vor 1930 waren keine Berufsmusiker, sondern Laien verschiedener Berufsgruppen, die nach ihrer Arbeit bei einem Café (Kafenion oder Tekes) kammermusikalische Soloabende organisierten. Dort spielten sie hauptsächlich Improvisationen (Taximia), die sich auf Tonsysteme der byzantinischen Musik stützen. In der Zeit nach dem Bürgerkrieg in Hellas (1945-1949) trafen intellektuelle Komponisten und Liedermacher mit Bouzoukispielern zusammen. Daraus entstand die Chanson-Gattung "Neo Kyma". Aus dieser Zeit stammt auch die Filmmusik zu den Filmen "Never On Sunday", "Zorbas The Greek" und "Z" von Dassin, Cacoyiannis und Gavras, die die Bouzouki quasi über Nacht weltweit bekannt machten.

Anfang der 1960er Jahre brachten griechische Gastarbeiter die Bouzouki nach Deutschland, Belgien, Niederlande, Österreich, Schweiz und Skandinavien, während irische Musiker die Bouzouki von Hellas nach Irland importierten. Dort hat sich die Flachkorpus-Bouzouki entwickelt. Dieses ist heute in Irland, UK, Australien aber auch in Deutschland weit verbreitet. Die Bouzouki generell ist in der Türkei, Syrien, Jordanien und anderen orientalisch-arabischen Ländern weit verbreitet, sowie auch in den USA und Kanada.

Da die Bouzouki aus der Kombination der westlichen Tenormandola und des orientalischen Tambouras (Saz/Baglama) entstand, wird es auch heute mit den entsprechenden Plektrum- und Fingetechniken gespielt. Zum Beispiel kommt das Tremolo aus der Tenormandola-Technik, während verschiedene Mordent-Arten ihren Ursprung in der Tambouras-Technik haben. Aus diesem Grund nehmen Bouzouki-Spieler sehr gerne und auch ohne große Mühe diese Mandolinen oder Tambouras-Instrumente zur Hand.

Konstruktion und Stimmungen des Bouzouki

Die Bouzouki hat vier oder drei doppelchörige Saiten wie auch zwei dreifachchörige Metall-Saiten. Die Bouzouki wird als großes, mittleres (Misobouzouko), kleines (Tzouras) und piccolo (Baglamadaki) Bouzouki gespielt.bouzouki_02_Tzouras

Die Mensuren betragen entsprechend ab 67 cm für das große, 63 cm für das mittlere, 58 cm für das kleine und 35-40 cm für die piccolo Bouzouki. Alle Instrumente sind mit Querverbalkung gebaut. Die Decke ist meist aus dünner Fichte, damit das Instrument im Klang schnell reagiert. Die Bünde sind zum größten Teil aus Metall und in Halbtönen gesetzt (chromatisch), manchmal auch aus Nylon. Bei der zwei-saitigen Bouzouki sind die Bünde aus Nylon und enharmonisch gesetzt (d.h. auch mit Viertel- und Dritteltonabständen). Der Korpus kann flach oder rund sein.

Die Saiten der zwei-saitigen Bouzouki sind meist in Quinten gestimmt (C-G oder A-D). Die meistverbreitete Stimmung der drei-saitigen Bouzouki ist (von der tiefen zur höheren) D-A-D (oder C-G-C). Andere Stimmungen sind C-G-D, H-G-D, B-G-D, C#-A-D, C-A-D, u.v.m. Die vier-saitige Bouzouki wird meist A-D-A-D, G-D-A-D, G-D-A-E, C-F-A-D gestimmt. Darüber hinaus gibt noch viele andere Stimmungen.

Repertoire der Bouzouki

bouzouki_03_Tambouras_BaglamasDie Bouzouki spielt überwiegend europäische und orientalische Popular- und Folkmusik, größtenteils aus Irland, Schottland, Skandinavien, Norddeutschland, Griechenland, Türkei, Syrien, Jordanien und dem Irak. Nach den 1980er Jahren wird es auch in kammermusikalischen Bestzungen integriert. Hier spielt sie auch Stücke westlicher und östlicher Kunstmusik (Renaissance, Barock, Klassik, Romantik, Neue Musik,  Byzantinische, Osmanische, arabische Taht Musik).

Quelle:
Georgios Karagiorgos, Forschungsarbeiten zur Musiktheorie

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